Geld für die nächsten Jahre braucht vor allem Verfügbarkeit und Stabilität. Kapital, das erst deutlich später benötigt wird, hat eine andere Aufgabe. Es soll über längere Zeit auch Kaufkraft erhalten.
Wie sollte man 850’000 Franken kurz vor der Pensionierung anlegen?
Nicht das gesamte Vermögen muss gleich defensiv angelegt sein. Entscheidend sind der tatsächliche Kapitalbedarf, sichere Einkommen, Risikofähigkeit und die jeweiligen Zeithorizonte der einzelnen Vermögensteile.
Kurz gesagt: Kurzfristig bedeutet Sicherheit vor allem Verfügbarkeit und geringe Abhängigkeit vom Marktzeitpunkt. Langfristig gehört auch der Erhalt der Kaufkraft dazu.
«Ich möchte nichts mehr riskieren»
Der Gedanke ist nachvollziehbar. Kurz vor der Pensionierung verändert sich die Funktion des Vermögens.
Während des Erwerbslebens stand der Aufbau im Vordergrund. Mit dem Ende des Erwerbseinkommens kann ein Teil des Kapitals schrittweise für laufende Ausgaben benötigt werden.
Ein Verlust fühlt sich dann anders an. Die intuitive Lösung lautet deshalb oft: möglichst wenig Schwankung.
Das ist aber nur eine Form von Sicherheit.

Sicherheit ist zeitabhängig.
Dasselbe Vermögen kann gleichzeitig unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse besitzen: kurzfristige Verfügbarkeit, mittelfristige Planbarkeit und langfristigen Kaufkrafterhalt.
Drei Zeitpunkte verändern die Anlagelogik
Keine Schwankung ist nicht dasselbe wie kein Risiko
Liquidität und sehr defensive Anlagen schwanken kurzfristig wenig. Das schafft Stabilität.
Langfristig existiert aber ein anderes Risiko: Inflation. Steigen Preise über Jahre, verliert ein nominell stabiler Geldbetrag Kaufkraft.
Bei laufenden Entnahmen kann Inflation zudem das Sequenzrisiko verschärfen. Steigen die Ausgaben früh in der Pensionierung stark, müssen höhere Beträge aus dem Vermögen finanziert werden – möglicherweise gerade in einer schwachen Marktphase.

Kurzfristige Stabilität schützt vor ungünstigen Marktzeitpunkten. Langfristige Sicherheit braucht zusätzlich genügend Ertragspotenzial, damit Inflation und Entnahmen die Kaufkraft nicht schleichend aushöhlen.
Warum die Jahre rund um die Pensionierung besonders sensibel sind
Wenn Vermögen regelmässig entnommen wird, spielt die Reihenfolge der Renditen eine grössere Rolle.
Ein starker Marktverlust früh in der Pensionierung kann stärker wirken als derselbe Verlust viele Jahre später, weil gleichzeitig Kapital für den Lebensunterhalt verkauft werden muss.
Das spricht dafür, Kapital mit kurzfristiger Aufgabe stärker auf Stabilität auszurichten. Es spricht aber nicht dafür, das gesamte Vermögen pauschal gleich defensiv zu behandeln.
Sicherheit ist keine einzelne Aktienquote.
Sie entsteht, wenn jeder Vermögensteil das Risiko trägt, das zu seiner Aufgabe und seinem Zeithorizont passt.
Was die Finpact-Vermögensstudie 2025 dazu zeigt
Die Finpact-Vermögensstudie 2025 basiert auf 504 Personen mit mindestens 250’000 Franken Finanzvermögen in der Deutschschweiz.
77 Prozent nennen Stabilität als wichtiges Produktmerkmal. Gleichzeitig zählen 59 Prozent Marktrisiken und 53 Prozent Inflationsrisiken zu ihren drei grössten Sorgen bei der Vermögensplanung.
Das zeigt ein relevantes Spannungsfeld: Anleger wollen kurzfristig Stabilität und gleichzeitig langfristig Kaufkraft erhalten.
Die Studie legt keine konkrete Portfolioaufteilung fest. Sie zeigt aber, weshalb eine einzige Vorstellung von «Sicherheit» zu kurz greift.
Die Finpact-Zeitachsenlogik
Wir strukturieren die Planung deshalb in vier Schritten: Zuerst wird die Aufgabe jedes Vermögensteils bestimmt. Danach folgt der Zeitpunkt, zu dem dieser Teil voraussichtlich verfügbar sein muss. Daraus wird das tragbare Risikobudget abgeleitet. Erst dann wird die konkrete Anlagestruktur festgelegt.
Aufgabe → Zeitpunkt → Risikobudget → Anlage
Nicht: Pensionierung → alles defensiv.
Sicherheit im präziseren Vergleich
| Horizont | Aufgabe | Hauptrisiko | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| kurzfristig | Reserve und absehbare Ausgaben | ungünstiger Verkaufszeitpunkt | Liquidität und Stabilität |
| mittelfristig | geplante spätere Entnahmen | Markt- und Inflationsrisiko | ausgewogenes Risikobudget |
| langfristig | spätere Ausgaben und Kaufkrafterhalt | Inflation und unzureichende reale Rendite | langfristiges Ertragspotenzial |
Die Grenzen sind nicht starr. Entscheidend ist die Aufgabe des jeweiligen Vermögensteils.
Fünf Fragen zur Sicherheit im Portfolio
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Wie viel Geld brauche ich in den nächsten Jahren?Dieser Teil sollte nicht unnötig von kurzfristigen Börsenbewegungen abhängig sein.
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Welche Ausgaben sind bereits durch AHV und Renten gedeckt?Je stärker sichere Einkommen den Bedarf decken, desto weniger Kapital muss kurzfristig verfügbar sein.
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Welche grösseren Ausgaben sind geplant?Umbauten, Hypotheken oder Unterstützung der Familie verändern den Zeithorizont.
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Welcher Teil des Vermögens wird sehr lange nicht benötigt?Dieser Teil besitzt ein anderes Risikobudget.
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Was passiert bei Inflation oder einem frühen Marktrückgang?Der Plan sollte sowohl Kaufkraftverlust als auch ungünstige Renditefolgen berücksichtigen.
Sicherheit bekommt eine Zeitachse
Am Anfang sagte der Kunde*: «Ich möchte möglichst nichts mehr riskieren.» Auf dem Blatt standen später drei Zeitpunkte: heute, in fünf Jahren und in fünfzehn Jahren.
Das Vermögen war danach noch immer 850’000 Franken. Aber «Sicherheit» bedeutete nicht mehr für jeden Franken dasselbe.
Kapital für die nächsten Jahre brauchte Stabilität. Kapital mit langem Horizont brauchte Zeit – und genügend Ertragspotenzial, um seine Aufgabe auch später noch erfüllen zu können.
Kurzfristiges Kapital bekommt Stabilität. Langfristiges Kapital bekommt Zeit.
So wird Sicherheit konkret.
* Anonymisierter Kundenfall.
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