Kosten lassen sich gut vergleichen. Zumindest scheinbar. 0,17 Prozent TER sind weniger als 0,60 Prozent. 0,50 Prozent Vermögensverwaltungsgebühr sind weniger als 1 Prozent. Jede dieser Aussagen kann stimmen. Und trotzdem kann der Gesamtvergleich falsch sein. Für Anleger ist deshalb nicht eine einzelne Gebührenzahl entscheidend, sondern die Kosten der gesamten Lösung.

Was kostet eine Vermögensverwaltung wirklich?

Je nach Lösung entstehen Kosten auf mehreren Ebenen: beim Produkt selbst, bei Depot und Umsetzung sowie bei Vermögensverwaltung oder Beratung.

Kurz gesagt: Eine einzelne Gebührenzahl reicht für einen fairen Vergleich nicht. Entscheidend ist, was eine Lösung voraussichtlich über alles kostet – und welche Leistungen darin enthalten sind.

0,17 Prozent TER sind nicht 0,17 Prozent Gesamtkosten

Die TER – Total Expense Ratio – ist eine nützliche Kennzahl. Die TER zeigt die gemäss Methodik berücksichtigten laufenden Kosten auf Fondsebene. Sie bildet jedoch nicht sämtliche Kosten ab, die beim Halten oder Nutzen einer Anlagelösung entstehen können. Damit lassen sich Fonds auf Produktebene vergleichbarer machen.

Eine vollständige Kostentransparenz schafft die TER aber nicht. Die von der FINMA anerkannte AMAS-Richtlinie zur TER hält fest, dass Nebenkosten aus dem Kauf und Verkauf von Anlagen grundsätzlich nicht zum Betriebsaufwand und damit nicht zur TER gehören.

Je nach Lösung können zusätzlich Depotkosten, Transaktionskosten, Fremdwährungskosten, Vermögensverwaltungsgebühren, Beratungsgebühren sowie weitere Vertriebs- oder Dienstleistungskosten entstehen.

Der Perspektivwechsel

Die TER beschreibt einen Teil der Produktkosten. Die Gesamtkosten beschreiben die ganze Lösung.

Ein fairer Vergleich beginnt deshalb nicht bei einer einzelnen Gebührenzahl, sondern bei der gesamten Kostenstruktur.

Zurück zur Excel-Liste: Aus Prozenten werden Franken

Der Kunde* hatte seine Arbeit sorgfältig gemacht. Produkt A: TER 0,17 Prozent. Produkt B: TER 0,45 Prozent. Auf dieser Ebene war A günstiger.

Daneben standen aber weitere Spalten: Depot, Verwaltung, Transaktionen und Beratung. Damit verschob sich die Frage.

Welche Lösung kostet mich insgesamt wie viel?

Gebühren werden meist in Prozent angegeben. Das erleichtert Vergleiche, macht ihre Wirkung aber abstrakt. Bei 500’000 Franken Vermögen entsprechen 0,20 Prozent 1’000 Franken pro Jahr, 0,50 Prozent 2’500 Franken und 1,00 Prozent 5’000 Franken. Bei einer Million verdoppeln sich diese Beträge.

Und Kosten fallen nicht nur einmal an. Bei langfristigem Anlagehorizont wirken wiederkehrende Gebühren deshalb doppelt: Sie reduzieren das Vermögen heute und damit zugleich die Basis, auf der zukünftige Renditen entstehen können.

Tiefere Kosten sind ein Vorteil – wenn die Leistung vergleichbar ist

Das sollte man nicht relativieren. Bei vergleichbarem Leistungsumfang sind tiefere Kosten besser. Laufende Gebühren lassen sich wesentlich besser abschätzen als die künftige Rendite.

Was die Daten zeigenAuch die europäische Aufsichtsbehörde ESMA zeigt, dass ein Kostenvergleich auf Produktebene zu kurz greifen kann. In einem im November 2025 veröffentlichten Bericht bezifferte ESMA die Vertriebskosten bei UCITS im untersuchten EWR-Markt durchschnittlich auf 48 Prozent der Gesamtkosten. Die Grössenordnung lässt sich nicht eins zu eins auf jede Schweizer Vermögenslösung übertragen. Sie zeigt aber, weshalb Produkt- und Dienstleistungskosten gemeinsam betrachtet werden müssen.

Gleichzeitig können zwei Lösungen unterschiedlich viel kosten und einen unterschiedlichen Auftrag erfüllen. Eine reine Umsetzungsplattform bietet etwas anderes als eine Lösung mit laufender Vermögensverwaltung, persönlicher Einordnung und Begleitung bei komplexeren Entscheidungen.

Eine solche Lösung kann höhere Kosten aufweisen. Ob diese Mehrkosten sinnvoll sind, hängt davon ab, ob der Kunde* die zusätzlichen Leistungen tatsächlich benötigt.

Die Kernrelation

Kosten lassen sich erst sinnvoll vergleichen, wenn auch der Leistungsumfang vergleichbar ist.

Das ist präziser als die Suche nach der tiefsten Einzelgebühr.

Beratung ist kein automatischer Mehrwert

Dass eine Lösung Beratung enthält, macht sie nicht automatisch besser. Persönliche Beratung schafft dann relevanten Gegenwert, wenn sie bei der Strukturierung des Vermögens, bei komplexen Entscheidungen oder bei der Umsetzung einen Nutzen bietet, den der Anleger tatsächlich benötigt.

Ein persönlicher Ansprechpartner allein rechtfertigt keine höhere Gebühr. Umgekehrt ist eine tiefe TER noch keine vollständige Vermögenslösung.

Gesamtkosten bestimmen. Leistungsumfang verstehen. Vergleichbare Lösungen vergleichen.

Was die Finpact-Vermögensstudie 2025 dazu zeigt

Die Finpact-Vermögensstudie 2025 basiert auf 504 Personen mit mindestens 250’000 Franken Finanzvermögen in der Deutschschweiz.

Bei der Beurteilung digitaler Anlageplattformen gehören transparente Kostenstrukturen und klare, verständliche Kommunikation mit jeweils 4,57 von 5 Punkten zu den am höchsten bewerteten Vertrauensfaktoren. Markenbekanntheit und ein namentlich bekannter persönlicher Ansprechpartner werden tiefer gewichtet.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass neben der Höhe der Kosten auch deren Transparenz und verständliche Kommunikation eine wichtige Rolle für das Vertrauen spielen. Transparenz ist deshalb nicht bloss eine Zahl, sondern Teil der Qualität einer Vermögenslösung.

Seit Einführung unseres digitalen Anlageplaners wurden bei Finpact mehr als 12’000 Anlagepläne erstellt. Zusammen mit unseren Beratungsgesprächen zeigt sich dabei immer wieder: Kunden wollen verstehen, was sie insgesamt bezahlen, wo diese Kosten entstehen, welche Leistungen enthalten sind und welche davon sie tatsächlich brauchen. Die entscheidende Grösse ist deshalb nicht die einzelne Gebühr, sondern die Nachvollziehbarkeit der gesamten Kostenstruktur.

Die Finpact-Kostenlogik

Wir würden eine Vermögenslösung in vier Schritten vergleichen.

Portfolio Atelier · Vier Schritte zum Kostenvergleich
01GesamtkostenProdukt-, Depot-, Transaktions-, Fremdwährungs-, Verwaltungs- und Beratungskosten erfassen.
02LeistungsumfangVerstehen, welche Leistungen tatsächlich enthalten sind und welche davon benötigt werden.
03VergleichbarkeitErst Lösungen mit demselben Auftrag sinnvoll gegeneinanderstellen.
04PreisfrageWelche Lösung erfüllt denselben Auftrag zu welchen Gesamtkosten?

Beim Kunden* kamen damit zwei zusätzliche Zeilen in die Excel-Datei: voraussichtliche Gesamtkosten und benötigter Leistungsumfang. Eine Lösung mit tiefer TER konnte insgesamt teurer sein als zunächst gedacht. Eine andere konnte höhere sichtbare Gebühren aufweisen, aber Leistungen enthalten, die für ihn relevant waren. Und manche Leistungen brauchte er schlicht nicht.

Kosten und Leistungen im Vergleich

Ebene Was wird geprüft? Warum relevant?
Produktkosten TER und laufende Fondskosten beeinflussen die Nettorendite
Umsetzung Depot, Handel, Währungen können zusätzlich anfallen
Verwaltung laufende Portfolioverwaltung kann wesentlicher Kostenblock sein
Beratung enthaltene persönliche Leistungen Nutzen hängt von der Situation ab
Gesamtkosten Summe der bekannten sowie plausibel erwartbare Kosten schafft Vergleichbarkeit
Leistungsumfang welche Leistungen sind enthalten? zeigt, ob wirklich Gleiches verglichen wird

Sieben Fragen zu den eigenen Anlagekosten

  1. Wie hoch sind meine Produktkosten?TER beziehungsweise laufende Kosten der eingesetzten Produkte.
  2. Welche weiteren Depot- und Transaktionskosten entstehen?Nicht alle Kosten sind im Produktpreis enthalten.
  3. Was kostet die Vermögensverwaltung?Separat oder bereits in einer Pauschale?
  4. Gibt es zusätzliche Beratungs- oder Vertriebskosten?Auch diese gehören zum Gesamtbild.
  5. Wie hoch sind die voraussichtlichen Gesamtkosten in Franken?Prozent werden erst durch den Vermögenswert konkret.
  6. Welche Leistungen sind darin enthalten?Und welche davon brauche ich tatsächlich?
  7. Vergleiche ich wirklich Lösungen mit demselben Auftrag?Erst dann wird der Preisvergleich aussagekräftig.

Die wichtigsten Aussagen

Frage Kernaussage Warum sie relevant ist
Ist die TER die Gesamtkostenquote? Nein. Weitere Kosten können ausserhalb des Fonds entstehen.
Sind tiefere Kosten besser? Bei vergleichbarem Leistungsumfang: ja. Kosten reduzieren die Nettorendite.
Ist eine teurere Lösung automatisch besser? Nein. Zusätzliche Leistungen müssen relevant sein.
Was sollte verglichen werden? Gesamtkosten bei vergleichbarem Auftrag. Einzelgebühren reichen nicht.
Was zeigt die Finpact-Studie? Transparente Kosten und verständliche Kommunikation sind zentrale Vertrauensfaktoren. Nachvollziehbarkeit ist wichtig.
Was ist ein fairer Vergleich? Gleicher Auftrag, vollständiger Kostenblick. Erst dann sagt «günstiger» tatsächlich etwas aus.

Günstig ist nicht dasselbe wie billig

Am Anfang fragte der Kunde*: «Welche Lösung ist wirklich günstig?» Seine Excel-Liste war bereits sehr gut. Nur zwei Zeilen fehlten.

Was kostet alles zusammen? Und welche Leistungen brauche ich davon tatsächlich?

Genau diese beiden Fragen machen aus einer Gebührenliste einen sinnvollen Vergleich. Bei vergleichbarer Leistung sind tiefere Kosten ein Vorteil. Aber nicht jede Vermögenslösung erfüllt denselben Auftrag.

Deshalb vergleichen wir im Portfolio Atelier nicht einzelne Gebühren. Wir vergleichen Gesamtkosten und Leistungsumfang. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Lösung tatsächlich günstig ist.

* Anonymisierter Kundenfall.

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