Erst danach haben wir die möglichen Quellen angeschaut: Dividenden, Zinsen und gezielte Entnahmen.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: Wie hoch ist die Dividendenrendite? Sondern: Wie viel Cashflow muss das Vermögen zuverlässig liefern?

Kann man mit 950’000 Franken nur von Dividenden leben?

Das hängt nicht zuerst von der Höhe des Vermögens ab, sondern vom jährlichen Einkommensbedarf, den übrigen Einkommensquellen und der Portfoliostruktur. Wer 30’000 Franken pro Jahr aus dem Portfolio benötigt, stellt eine andere Aufgabe als jemand mit 60’000 Franken Bedarf.

Kurz gesagt: Zuerst wird der benötigte Cashflow bestimmt. Erst danach entscheidet sich, welche Kombination aus Dividenden, Zinsen, Liquidität und gezielten Entnahmen diesen Bedarf sinnvoll decken kann.

Dividenden fühlen sich wie Einkommen an – ökonomisch ist es komplexer

Dividenden fühlen sich anders an als Verkäufe. Eine Ausschüttung kommt aufs Konto. Der Aktienbestand bleibt sichtbar erhalten. Das vermittelt das Gefühl: Ich lebe vom Ertrag und lasse das Vermögen unangetastet.

Ökonomisch ist die Trennung aber weniger eindeutig. Eine Dividende ist eine Form, wie ein Unternehmen Kapital an seine Aktionäre ausschüttet. Sie entsteht nicht zusätzlich zum Unternehmenswert.

Der Perspektivwechsel

Dividende ist Ausschüttung, nicht zusätzliche Rendite.

Vereinfacht: Schüttet eine Aktie im Wert von 100 Franken 4 Franken Dividende aus, liegen danach unter sonst gleichen Bedingungen ungefähr 96 Franken Aktienwert und 4 Franken Cash beim Anleger. Für die Vermögensplanung ist deshalb die Gesamtrendite wichtiger als die Ausschüttungsrendite allein.

Auch eine hohe Dividendenrendite ist nicht automatisch besser. Sie sagt allein wenig darüber aus, wie nachhaltig die Ausschüttung ist, wie sich Gewinne und Cashflows entwickeln, wie hoch die Verschuldung ist, ob das Unternehmen genügend investieren kann, wie stark der Aktienkurs schwankt und welche Gesamtrendite entsteht.

Eine hohe Dividendenrendite kann auch deshalb hoch sein, weil der Aktienkurs stark gefallen ist oder weil der Markt mit einer Kürzung der Ausschüttung rechnet. Mehr Ausschüttung ist deshalb nicht automatisch mehr Qualität.

Unternehmen können erwirtschaftetes Kapital zudem auf unterschiedliche Weise verwenden: reinvestieren, Schulden reduzieren, Unternehmen zukaufen, eigene Aktien zurückkaufen oder Dividenden ausschütten. Für Aktionäre kann jede dieser Varianten sinnvoll sein. Entscheidend ist, wie produktiv das Kapital eingesetzt wird.

Der Cashflow-Bedarf ist die wichtigere Zahl

Der Kunde* sah zunächst 950’000 Franken Kapital und fragte: Welche Dividendenrendite brauche ich? Wir drehten die Rechnung um.

Angenommen, er benötigt zusätzlich zu seinen übrigen Einkommen 36’000 Franken pro Jahr aus dem Vermögen. Dann beträgt der jährliche Cashflow-Bedarf rund 3,8 Prozent des Vermögens.

Diese 3,8 Prozent sind keine notwendige Dividendenrendite. Und sie sind auch nicht automatisch eine langfristig tragfähige Entnahmerate. Sie beschreiben zunächst nur, wie viel Geld jährlich aus dem Portfolio in seinen Haushalt fliessen soll.

Ob dieser Cashflow langfristig tragfähig ist, hängt unter anderem von Rendite, Inflation, Kosten, Steuern, Lebensdauer und gewünschtem Restvermögen ab.

Die Kernrelation

Einkommen ist eine Aufgabe des Portfolios. Dividende ist nur eine mögliche Quelle.

Regelmässiger Cashflow kann aus Dividenden, Zinsen, Fonds- oder ETF-Ausschüttungen, Liquidität und gezielten Verkäufen entstehen. Aus einer Dividendenstrategie wird damit eine Einkommensplanung.

Auch Verkäufe können Teil eines Einkommensplans sein

Für viele Anleger fühlt sich der Verkauf von Anteilen falsch an. Als würde man das Vermögen «aufzehren». Ökonomisch ist diese Grenze jedoch nicht so eindeutig.

Nehmen wir stark vereinfacht und vor Steuern zwei Portfolios mit derselben Gesamtrendite von 5 Prozent. Portfolio A schüttet 3 Prozent aus. Portfolio B schüttet nur 1 Prozent aus. Der Anleger erzeugt weitere 2 Prozent Cashflow durch einen gezielten Verkauf. In beiden Fällen fliessen 3 Prozent Cash zum Anleger. Der Unterschied liegt in der Quelle des Cashflows.

Steuerlich und praktisch sind beide Varianten allerdings nicht identisch. Für Schweizer Privatanleger sind Dividenden und Zinsen grundsätzlich steuerbares Einkommen. Private Kapitalgewinne auf beweglichem Privatvermögen sind dagegen grundsätzlich steuerfrei, sofern keine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt.

Damit ist nicht gesagt, dass Verkäufe immer problemlos sind. Eine Entnahmeplanung muss Marktschwankungen, Sequenzrisiko, Steuern, Liquidität, Anlagehorizont und Höhe des Kapitalbedarfs berücksichtigen. Gerade nach starken Kursverlusten können hohe Entnahmen das verbleibende Vermögen zusätzlich belasten.

Deshalb geht es nicht darum, Dividenden durch beliebige Verkäufe zu ersetzen. Es geht darum, Ausschüttungen und Entnahmen als Teile eines gemeinsamen Einkommensplans zu betrachten.

Die Finpact-Einkommenslogik

Für unseren Kunden* war die wichtigste Zahl deshalb nicht die Dividendenrendite, sondern sein jährlicher Bedarf. Der Cashflow-Bedarf ist der Ausgangspunkt, nicht das Endergebnis.

Portfolio Atelier · Vier Schritte zum Einkommensplan
01BedarfWie viel Geld muss das Vermögen jährlich tatsächlich liefern?

02FinanzierungslückeWelche Ausgaben werden bereits durch AHV, Renten oder andere Einkünfte gedeckt?

03Cashflow-QuellenWelche Rolle spielen Dividenden, Zinsen, Liquidität und gezielte Entnahmen?

04NachhaltigkeitWie verändert sich der Plan bei Marktrückgängen, Inflation, längerer Lebensdauer oder veränderten Ausgaben?

Bedarf → Finanzierungslücke → Cashflow-Quellen → Nachhaltigkeit

Nicht: Ziel-Dividendenrendite → Produktauswahl.

Wer ausschliesslich auf hohe Dividendenrenditen optimiert, kann zudem unbeabsichtigt bestimmte Unternehmen, Branchen oder Anlagestile übergewichten. Damit kann aus dem Wunsch nach Einkommen eine neue Konzentration entstehen. Genau deshalb sollte Dividendenrendite nicht der alleinige Auswahlfilter sein.

Was wir aus Anlageplänen und der Vermögensstudie lernen

EinordnungAus mehr als 12’000 erstellten Anlageplänen und unserer Beratungspraxis kennen wir die Frage gut: «Wie viel Ertrag brauche ich aus meinem Vermögen?» Häufig wird daraus sofort: Welche Dividendenrendite brauche ich? Oder: Welchen Zins muss ich erzielen? Die wichtigere Frage liegt jedoch davor: Wie gross ist meine tatsächliche Finanzierungslücke?

Auch die Finpact-Vermögensstudie 2025 liefert dazu Kontext. Sie basiert auf 504 Personen mit mindestens 250’000 Franken Finanzvermögen in der Deutschschweiz. 70 Prozent nennen Eigenvorsorge als wichtiges Motiv der Vermögensplanung, 64 Prozent Sicherheit. Bei den 50- bis 59-Jährigen betrachten 91 Prozent ihr Vermögen als Teil ihrer späteren Vorsorge.

Damit erhält Vermögen für viele Befragte eine klare Vorsorge- und Sicherheitsfunktion. Die Studie sagt nicht, welche Cashflow-Quelle dafür am besten geeignet ist. Genau das ist eine separate Anlage- und Entnahmefrage.

Dividenden, Zinsen und Entnahmen im Vergleich

Cashflow-Quelle Vorteil Was zusätzlich zählt
Dividenden regelmässige Ausschüttungen möglich Höhe und Stabilität sind nicht garantiert
Zinsen bei festverzinslichen Anlagen teilweise gut planbare Zahlungen Kredit-, Zins- und Reinvestitionsrisiko
Liquidität hohe Planbarkeit begrenztes langfristiges Ertragspotenzial
Gezielte Entnahmen Höhe und Zeitpunkt flexibel gestaltbar Marktzeitpunkt, Steuern und Sequenzrisiko
Kombination mehrere Quellen nutzbar benötigt eine Gesamtplanung

Sechs Fragen zum Einkommen aus Vermögen

  1. Wie viel zusätzliches Einkommen brauche ich pro Jahr?Der Cashflow-Bedarf steht am Anfang.
  2. Welche sicheren Einkommen erhalte ich bereits?AHV, PK-Renten und andere Einkünfte reduzieren die Finanzierungslücke.
  3. Welche Dividenden und Zinsen entstehen ohnehin?Diese Cashflows können genutzt werden, ohne das Portfolio primär darauf auszurichten.
  4. Wie viel müsste zusätzlich entnommen werden?Erst hier wird die tatsächliche Entnahmerate sichtbar.
  5. Was passiert bei einem starken Marktrückgang?Der Einkommensplan muss auch ungünstige Phasen berücksichtigen.
  6. Soll Kapital bewusst erhalten bleiben?Ein Nachlassziel verändert die mögliche Entnahmestruktur.

Zuerst der Cashflow. Dann die Quelle.

Am Anfang sagte der Kunde*: «Ich möchte möglichst nur von Dividenden leben. Dann muss ich mein Vermögen nie anfassen.» Die Idee war verständlich.

Nach der Analyse war die Frage präziser: Wie viel Einkommen brauche ich tatsächlich? Und danach: Welche Kombination aus Dividenden, Zinsen, Liquidität und gezielten Entnahmen kann diesen Bedarf sinnvoll finanzieren?

Damit verlor die Dividendenrendite ihre Rolle als Zielgrösse. Sie wurde zu einer von mehreren möglichen Cashflow-Quellen.

Zuerst der Cashflow. Dann die Quelle.

Genau daraus entsteht im Portfolio Atelier ein Einkommensplan.

* Anonymisierter Kundenfall.

Checkliste

Einkommen aus Vermögen strukturiert planen.

Die wichtigsten Fragen zu Cashflow-Bedarf, sicheren Einkommen, Dividenden, Zinsen, Entnahmen und gewünschtem Restvermögen kompakt zusammengefasst.

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Anlageplan

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