Alexander Lehmann.
Head Products & Advisory
Mitglied der Geschäftsleitung, Finpact AG
Alexander Lehmann ist Head of Products & Advisory der Finpact AG und Mitglied der Geschäftsleitung. Zuletzt arbeitete Alexander Lehmann im Wealth Management der Deutschen Bank wo er unter anderem als Business Developer für Russland und Osteuropa und als Regional Change Lead EMEA tätig war. Er hält einen Master in Banking & Finance der Universität St. Gallen so wie ein CAS in Big Data Analytics & Blockchain der ZHAW.

Interview mit Alexander Lehmann
Herr Lehmann, Sie haben in Ihrer Karriere internationale Erfahrung im Private Banking gesammelt unter anderem bei der Deutschen Bank – heute sind Sie Mitgestalter eines Fintechs. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?
Mich reizt es, Dinge neu zu denken. Nach vielen Jahren im internationalen Private Banking wollte ich eine Plattform mitgestalten, die das Beste aus persönlicher Beratung und moderner Technologie verbindet.
In grossen Banken ist Innovation oft durch komplexe Strukturen und lange Entscheidungswege erschwert. Viele gute Ideen verlieren unterwegs an Kraft. Im Fintech-Umfeld können wir schneller agieren, näher am Kunden bleiben. Besonders bereichernd finde ich den direkten Kontakt zu unseren Kunden – ihre Rückmeldungen fliessen unmittelbar in unsere Weiterentwicklung ein. Gleichzeitig nutzen wir gezielt Technologie, um Prozesse zu vereinfachen und die Beratung zu verbessern.
Was haben internationale Privatkunden mit grösseren Vermögen gemeinsam mit einem Schweizer Kapitalbezüger?
Internationale Privatkunden und Schweizer Kapitalbezüger haben mehr gemeinsam, als man denkt. Oft steht für beide die Sicherheit, Stabilität und den Werterhalt ihres Vermögens im Vordergrund, um sich und die Familien finanziell abzusichern.. Sie suchen Stabilität, Verlässlichkeit und Lösungen, die langfristig tragen.
Welche Gespräche mit Kunden bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?
Besonders in Erinnerung bleiben mir Gespräche mit Kunden während schwierigen Marktphasen – also genau dann, wenn Unsicherheit oder Sorgen da sind. In solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig echte Begleitung ist: manchmal reicht es, einfach gut zuzuhören, manchmal braucht es eine klare Einordnung der Situation und eine verständliche Erklärung der Portfolioentwicklung. Wenn ein Kunde sich danach bedankt und mit einem besseren Gefühl aus dem Gespräch geht, weiss ich: Ich habe meinen Job gut gemacht.
Was macht für Sie eine exzellente Anlageberatung aus?
Exzellente Beratung beginnt für mich mit echtem Zuhören. Unsere Zielgruppe hat klare Bedürfnisse: Sicherheit, Einfachheit und Verlässlichkeit. Wer diese Kunden ernst nimmt, muss Lösungen bieten, die transparent, kostenbewusst und flexibel sind – und gleichzeitig professionell gemanagt.
Leider wird in der Anlageberatung zu oft Augenwischerei betrieben –indem zum Beispiel Risiken ignoriert werden. Wir setzen deshalb konsequent auf Transparenz. Denn unsere Kunden verstehen, dass erfolgreiches Investieren langfristiges Denken erfordert.
Digital Geld anlegen für die Generation 50+ Ist das nicht ein Wiederspruch?
Unsere Studie mit der Hochschule Luzern zeigt: Rund ein Drittel der Generation 50+ ist offen dafür, Geld digital anzulegen – vorausgesetzt, das Vertrauen stimmt. Und genau hier setzen wir an. Denn die Generation 50+ will verstanden werden – digital, aber nicht anonym. Vertrauen entsteht nicht durch Technik allein, sondern durch persönliche Betreuung, auch vor Ort, durch klare Kommunikation und eine professionelle Umsetzung.
Wir kombinieren bei Finpact eine intuitive Plattform mit persönlicher Beratung, damit sich unsere Kundinnen und Kunden jederzeit gut aufgehoben fühlen. Oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen – etwa ein schneller Rückruf oder Unterstützung beim Passwort-Reset.
Zur Zeit der Finanzkrise standen Sie mit einem Bein im Berufsleben und haben gleichzeitig an der Uni St. Gallen studiert. Wenn Sie an diese Zeit zurückdenken, was nehmen Sie mit?
Während der Finanzkrise steckte ich mitten im Studium und arbeitete gleichzeitig schon in der Praxis. Das war extrem lehrreich. Ich habe gesehen, wie schnell theoretische Modelle an ihre Grenzen stossen. Und wie rasch Vertrauen kippen kann – bei Kunden, auf Märkten, in ganzen Systemen.
Mir wurde damals klar, wie entscheidend gutes Risikomanagement ist. Ein stabiles Portfolio und eine klare Struktur helfen, wenn es turbulent wird. Vor allem aber: einen kühlen Kopf bewahren, wenn um einen herum die Nervosität steigt.
Skifahren gehört zu Ihren Leidenschaften – was nehmen Sie vom Sport mit in Ihre Arbeit?
Skifahren lehrte mich Konzentration, Technik und Respekt vor dem Gelände. Man muss vorbereitet sein, aber auch flexibel reagieren können – das gilt genauso im Business. Gleichzeitig geben mir die Berge Kraft und innere Stabilität. Sie sind für mich ein Ort, an dem ich abschalten, kann. Diese Klarheit nehme ich mit in meine Arbeit – sie hilft mir, fokussiert zu bleiben und entschlossen zu handeln.
Welches Buch steht bei Ihnen als nächstes auf der Liste zum lesen?
Sapiens – Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noha Harari. Die Verbindung von Geschichte, Biologie, Psychologie und Philosophie finde ich extrem spannend.
Welcher Komponist fasziniert Sie?
Ich mag Ennio Morricone, weil er mit seiner Vielseitigkeit und Kreativität die Filmmusik völlig neu definiert hat – seine Klänge machen Szenen unvergesslich. Seine Melodien bleiben im Kopf und im Herzen, egal ob Western, Drama oder Liebesfilm.
Sie spielen auch in Instrument und spielen in einer Band. Welche Parallelen sehen Sie zur Investment Welt?
Musizieren ist auf der einen Seite etwas Technisches: Ich muss die Möglichkeiten des Instruments genau kennen, saubere Tongebung beherrschen, mich auf das Zusammenspiel mit anderen abstimmen. Gleichzeitig ist Musik aber auch hoch emotional. Ich muss sie fühlen, Stimmungen erfassen und sie authentisch transportieren – nur dann erreicht man wirklich sein Publikum.
Auch beim Investieren braucht es beides: technisches Können und ein feines Gespür für das Gesamtbild – für Marktmechanismen, Risiken und die individuellen Bedürfnisse des Kunden. Wie in der Musik geht es nicht nur um Präzision, sondern auch um Interpretation.
Worauf sind Sie heute besonders stolz, wenn Sie auf Ihren Weg zurückblicken?
Dass ich den Mut hatte, neue Wege zu gehen – ohne meine Wurzeln zu vergessen. Und dass ich heute etwas mitgestalte, das für unsere Kunden wirklich einen Unterschied macht.
Wo sehen Sie die Zukunft der Vermögensverwaltung?
Die Ansprüche der Kundinnen und Kunden verändern sich grundlegend: Sie erwarten Transparenz, Individualität und digitale Einfachheit – ohne auf persönliche Betreuung zu verzichten.
In diesem Kontext entstehen neue Anbieter, die Beratung neu denken – technologiegestützt, ehrlich, und nah an den Bedürfnissen der Menschen. Wer es schafft, beides zu verbinden – persönliche Nähe und moderne Lösungen – wird das Vertrauen der nächsten Generation von Kunden gewinnen.
Die Zukunft gehört denen, die zuhören, vereinfachen und konsequent aus Kundensicht denken.
Wie investieren Sie privat und worauf legen Sie wert?
Ich investiere langfristig – mit einem Anlagehorizont von 20 Jahren und mehr. Entsprechend bin ich auch bereit, Marktschwankungen auszuhalten. Ein hoher Aktienanteil ist für mich selbstverständlich, weil er langfristig die besten Renditechancen bietet. Da ich im Alltag wenig Zeit für tiefgreifende Analysen einzelner Unternehmen habe, setze ich auf breite Diversifikation. Ich investiere bewusst über ETFs und andere passive Instrumente, um die Kosten tief zu halten und gleichzeitig breit diversifiziert zu sein.
Am Ende ist mein Ziel einfach: ich will mich nicht täglich mit meiner Geldanlage beschäftigen müssen – aber ich will wissen, dass sie für mich arbeitet.
Was bedeutet für Sie Glück?
Für mich ist Glück zu wissen, dass es meiner Familie und meinem persönlichen Umfeld gut geht und dass wir gemeinsam bleibende Momente erleben dürfen.
Was motiviert Sie – auch an Tagen, an denen es nicht läuft?
Ich bin stark intrinsisch motiviert – mein innerer Antrieb ist, gute und funktionierende Lösungen zu schaffen, die erfolgreich sind. An schwierigen Tagen hilft mir der Blick auf das Wesentliche und ich fokussiere mich auf die Dinge, welche ich direkt beeinflussen und bewegen kann. Zudem hilft mir der Sport auch an schwierigen Tagen eine gute Balance zu finden.
Was ist Ihre Vision von Finpact?
Unsere Vision für Finpact ist es, das Anlagegeschäft radikal zu modernisieren – mit einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Generation 50+. Wir verbinden innovative Technologie mit persönlicher Beratung und schaffen so ein hybrides Angebot, das den Einstieg digital einfach macht, aber in der Tiefe individuelle Optimierung ermöglicht. Es geht uns um Klarheit, Effizienz und hochwertige Anlagelösungen, die Sicherheit, Kontrolle und finanzielle Freiheit spürbar erlebbar machen – für Menschen, die Verantwortung für ihr Vermögen übernehmen wollen, aber nicht auf professionelle Begleitung verzichten möchten.